Ist der Orgasmus wirklich der einzige kleine Tod beim Sex?

Shownotes

In der Sexualität sprechen wir manchmal vom Orgasmus als „kleinem Tod“. Aber vielleicht gibt es noch eine andere Form von kleinem Tod, die mindestens genauso wichtig ist: das Sterben alter Selbstbilder.

Eine kurze Reflexion über Entwicklung, Identität und die Frage, warum echte Lebendigkeit manchmal bedeutet, nicht festhalten zu können, wer wir einmal waren.

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00:00:00: In der Sexualität sprechen wir ja manchmal vom Orgasmus als der kleine Tod.

00:00:08: Aber ich glaube, es gibt noch eine andere Form von dem kleinen Tod die in der Sexualkeit mindestens genauso wichtig ist wie der Orgasmos und zwar der Moment, in dem es uns gelingt dass wir ein altes Bild von uns selbst loslassen Ein Bild davon, wer wir sind.

00:00:30: Wie wir lieben wie wir näher leben was unsere Sexualität ist ein Bild davon wie wir berührt werden wollen wie wir frei oder verbindlich sind wie wir Lust empfinden Was uns erregt wie wir lebendig sind Wann wir loslassen und uns hingeben können oder eben auch nicht.

00:00:55: Ich glaube Viele, viele Menschen versuchen unbewusst ihr sexuelles Selbstbild irgendwie zu konservieren als so bin ich eben.

00:01:05: Das fällt mir eben schwer!

00:01:07: So sieht meine Lust aus.

00:01:10: So ist meine Beziehung.

00:01:13: Das brauche ich.

00:01:14: So bin ich wenn ich intim bin.

00:01:17: So Bin Ich wenn ich verletzlich bin.

00:01:26: Aber Leben funktioniert ja nicht statisch und Sexualität schon gar nicht.

00:01:32: Ja, mich mal merken wir vielleicht was uns früher lebendig gemacht hat passt plötzlich nicht mehr oder vielleicht auch ganz langsam nicht mehr.

00:01:41: Oder etwas berührt uns heute so tief dass wir früher langweilig gefunden hätten oder uns nicht einmal hätten vorstellen können.

00:01:50: Und all das nicht weil wir weniger leidenschaftlich geworden sind oder weniger lustvoll sondern einfach weil wir uns verändert haben.

00:02:00: Und ich glaube, das kann unglaublich herausfordernd sein!

00:02:06: Nicht nur in der Sexualität sondern allgemein im Leben ja, weil Entwicklung eben oft bedeutet dass wir einen kleinen Tod sterben müssen oder viele viele kleine Tode sterben mussten.

00:02:18: Reifung bedeutet, dass wir morgen nicht mehr die Personen sind wie heute sind oder gestern waren Nicht dramatisch, nicht zerstörerisch.

00:02:29: Nicht destruktiv.

00:02:33: Auch vielleicht gar nicht immer nur schmerzlich.

00:02:36: Vielleicht manchmal auch freutvoll.

00:02:38: Aber ich glaube immer ziemlich existenziell.

00:02:42: Denn dieses Sterbenalter Selbstbilder alter Rollen, vielleicht auch Alter Bedeutungen oder Schutzstrategien oder auch Lebendigkeitsstrategie kann das Schwerste sein!

00:02:56: Das loszulassen, das sich transformieren zu lassen.

00:03:02: Da in einen Raum zu gehen von dem wir vielleicht manchmal erst mal nicht wissen was denn da kommt gar nicht nur die Veränderung im Außen oder den Aufwand den wir dafür betreiben müssen sondern das auszuhalten dass wir noch nicht wissen wer wir dann sein werden.

00:03:20: Dass etwas Altes bereits nicht mehr ganz stimmt aber dass das neue eben auch noch keine klare Form hat.

00:03:28: Und ich glaube genau dort versuchen wir oft unbewusst irgendwie Kontrolle herzustellen oder zu behalten, indem wir an diesen alten Bildern festhalten.

00:03:38: An diesen alten Ideen von uns selbst und den alten Idealen.

00:03:43: An vielleicht früheren Formen von Intensität oder Beziehung oder Freiheit oder Nähe oder Intimität.

00:03:51: aber manchmal wäre Das eigentlich wie so eine Form von Manipulation, ja?

00:03:56: Eine Verhinderung der Entwicklung die eigentlich längst passieren möchte.

00:04:00: Also ich halte fest und verhindere damit das was eigentlich kommen möchte.

00:04:07: Und vielleicht bedeutet erwachsene Lebendigkeit, erwachsenes Sexualität auch nicht permanent an sich selbst herum zu manipulieren um irgendwie so zu bleiben wie wir uns kennen um das vorzusetzen, was wir kennen.

00:04:23: Sondern vielleicht bedeutet es sich zu erlauben, sich wirklich zu transformieren und sich wirklich so verändern.

00:04:30: Langsam ja?

00:04:30: Das geht nicht über Nacht!

00:04:32: Aber es geht auch erotisch, emotional – auch in der Art wie wir Nähe erleben.

00:04:39: Und vielleicht brauchen wir in der Sexualität nicht nur mehr Freiheiten oder Techniken, sondern wir brauchen auch irgendwie eine Fähigkeit diese kleinen Tode zuzulassen.

00:04:50: Nicht nur die Orgasmen!

00:04:52: Diese kleinen Tote sterben dieser alten Bilder, die sich überlebt haben wo neue hin können damit etwas Ehrliches entstehen kann das was heute zu uns passt.

00:05:06: und es ist nicht Verlust wenn etwas endet was sich überlebte hat und manchmal dann einfach leben, dass es weitergeht.

00:05:18: Dass etwas passiert was wir vielleicht uns nicht mal überlegen konnten aber ist es da!